Hockey bei Eintracht vor 50 Jahren:

 

Bericht vom Damenturnier in Wiesbaden

Unser 2. Turnier im neuen Jahr führte uns nach Wiesbaden. Eintracht Wiesbaden veranstaltete ein nationales Hallenturnier, zu dem sich 13 Damenmannschaften aus dem ganzen Bundesgebiet einschl. Berlin gemeldet hatten. 2 Pkws (Prieger und Korte) brachten uns bei herrlichem Wetter sicher und pünktlich zur Reithalle am Schloss. Obwohl Korte 2 Stunden eher in Dortmund gestartet war, trafen wir uns gleichzeitig am Rathaus in Wiesbaden wieder, um uns nach dem richtigen Weg zu erkundigen. Es lag wohl daran, dass Herrmann mit Belegschaft (Menze, Meine und Ziske) ein ausgiebiges Mittagessen gehalten hatte, während "Chef" mit Anhang (Frau, Tochter, Kirschner und Klügge) Butterbrot am Autobahnrand ass.


von links nach rechts: Klügge, Kirschner, Prieger II, Ziske, Meine, Prieger I

Gemeinschaftliches Kaffeetrinken bei "Kühn" (der immer guten Kuchen hat) frischte uns für das 1. Spiel auf, das wir am gleichen Tag noch durchzustehen hatten. Mit neuem Mut gingen wir in die Halle und stellten fest, dass in den ganzen Umkleideräumen weder Stuhl noch Tisch zu finden waren, auf denen wir uns niederlassen konnten, um auf den verspäteten Spielbeginn zu warten.

Das 1. Spiel. gewannen wir mit 1:0 gegen TuS Wiesbaden und das gab uns den Auftrieb für den nächsten Tag. Wir verfolgten noch einige andere Spiele, die ich nicht alle aufführen möchte. Anschliessend versammelten wir uns im Eintrachthaus zum gemütlichen Beisammensein und Abendessen. Die Gemütlichkeit litt wohl darunter, dass 1. nur Damenmannschaften anwesend waren und 2. hatten viele den Wunsch, möglichst bald aufzubrechen. Nach den kurzen Worten des 1. Vorsitzenden und eines Vertreters des hess. Hockeyverbandes wurden die obligatorischen Wimpel und sonstige Geschenke (von uns eine Riesenbonboniere) an den Gastgeher überreicht.

Wir brachen als 1. Mannschaft auf, um uns in Richtung Jugendherberge abzusetzen, in der wir gemeinsam untergebracht waren. Es mag wohl die schönste Herberge Deutschlands sein, hatte aber auch die härtesten Betten. Nachdem wir genug über den "Komfort“ gestöhnt hatten, versuchte jeder so schnell wie möglich einzuschlafen. Da aber jede Mannschaft mit gleich grossem Getöse und gleich grosser Rücksichtslosigkeit ihre Zimmer aufsuchte, war es ein vergebliches Bemühen. Richtig ausgeschlafen hatte morgens um 6 Uhr keiner von uns 7 Weibern.

Frühstück mit Muckefuck und Marmeladenbrotchen waren die Unterlagen für den kommenden harten Tag. 1. Spiel gegen Blau-Weiss-Berlin. Nach schönem fairen Spiel gingen wir mit 1:1 auseinander; ein Tor der Berliner wurde vom Schiesrichter nicht gegeben, weil es angeblich ausserhalb geschlagen war. Bis zum nächsten Spiel hatten wir etwas Zeit und so fuhren wir auf einen schönen Waldplatz im Taunus und sonnten uns. Um 12 Uhr 3. Spiel gegen Fechenheim, das wir 3:0 gewannen. Inzwischen war Berlins Protest anerkannt worden und wir mussten das Spiel 2 mal 5 Min. wiederholen. Ergebnis 1:1. Es war für uns das schönste Spiel des Tages und wir wurden damit Gruppensieger und Blau-Weiss- Berlin somit auf den 2. Platz verwiesen. Anschliessend an die Mittagspause ging das Spiel in der Zwischenrunde gegen den späteren Turniersieger mit 2:l knapp verloren. Ein weiteres Spiel gewannen w1r mit 1:0 gegen Blau-We1ss-Frankfurt.  

So gelangten wir in die Endrunde, um den 3. und 4. zu erkämpfen. Da nach all den Spielen, die wir ohne auszuwechseln absolvierten, der Sturm etwas angeschlagen war, konnten w1r nicht zu unserer anfänglichen Form auflaufen. Hinzukam, dass in der ganzen Halle kein Stuhl zum Ausruhen zu finden war. Wenn wir mit einem knappen 0:1 schliesslich verlieren mussten, so waren wir mit dem 4. Platz mehr als zufrieden.

Kurze Siegerehrung, Abfahrt 10,30 Uhr. Ankunft Eintrachthaus Dortmund, wo wir noch einige Helle stemmten.

Randbemerkung:

Bester Mann am Platz einwandfrei "Chef“, der uns mit unerschütterlicher Ruhe von Spiel zu Spiel führte und uns auf die "Wichtigkeit eines jeden aufmerksam machte. Er hätte uns gern als Turniersieger gesehen. Man kann wohl nicht behaupten, dass

die anderen Mannschaften wesentlich besser waren, aber die veränderten Umstände (Holzboden, schlechte Bande, Eishockeytore, fremde Regeln und kein Ersatz) liessen einfach kein besseres Spiel zu. Wir waren jedenfalls froh, dass wir so gut abgeschnitten hatten und Gelegenheit fanden, gegen so viele gute Vereine zn spielen. Gelernt haben wir anf jeden Fall. Ob wir noch einmal auf ein solches Mammutturnier fahren, bleibt dahingestellt, weil es eben doch eine zu grosse Strapaze war.

Unseren Dank an die beiden Fahrer, die uns die Reise ermöglichten.

An dem Turnier nahmen teil: Frau Prieger, Frau Kirschner, Fräulein Klügge, Frau Meine, Renate Ziske, Helgard Prieger, Fräulein Menze als Ersatz. 

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