In Leipzig bei der EM unter Wert verkauft

Polens Herren sind zumindest in der Halle absolute Weltspitze

 

Bereits seit über 100 Jahren wird in Polen Hockey gespielt. Den ersten Auftritt auf der internationalen Bühne hatte die Nation jedoch erst fünf Jahrzehnte später – bei den Olympischen Spielen 1952 in Helsinki. Seitdem haben polnische Herren-Nationalteams immer wieder in Abständen den Vorstoß in die Phalanx der besten Hockey-Nationen geschafft. Die aktuelle Nationalmannschaft hat diesen Anschluss an die europäische Spitze Ende der 90er Jahre wieder geschafft, damals noch mit dem neuen Trainer Maciej Matuszynski als Aktiven. Der junge Nationalcoach, der die Mannschaft erst vor eineinhalb Jahren von Jerzy Juskowiak übernahm, gehörte vor acht Jahren selbst noch zum polnischen WM-Aufgebot. 

Immerhin noch acht Mannschaftskameraden von Trainer Matuszynski aus dem WM-Team von 1998 standen letztes Jahr im EM-Kader von Leipzig. Zu den herausragenden Akteuren gehören Rafal Grotowski, ein erfahrener und technisch starker Mittelfeldregisseur, sowie Dariusz Rachwalski, der mehrfache Torschützenkönig der polnischen Liga. Rachwalskis Vater Zbigniew spielte vor 20 Jahren in der deutschen Bundesliga mal für den Großflottbeker TGHC in Hamburg. Ohnehin sind die polnischen Nationalspieler gern gesehene Gäste in Deutschland. Piotr Mikula, immerhin 2000 schon mal vom Welt-Hockeyverband für den „Player of the Year Award“ nominiert, spielte mit drei polnischen Teamkameraden 2001 noch beim damaligen Erstligisten Rheydter Spielverein Mönchengladbach.

Nach guten Ergebnissen in den Vorjahren erlebten die polnischen Herren 2004 und 2005 einen Leistungseinbruch. Durch einen „Blackout“ in der Vorrunde des olympischen Qualifikationsturniers von Madrid, in das die Mannschaft eigentlich mit einem beachtlichen 2:1-Sieg über die hoch gehandelten Briten gestartet waren, erreichte Polen am Ende nur die Runde um die Plätze neun bis zwölf und verpasste damit die Startberechtigung für Athen. 2001 hatte das Team noch durch den dritten Platz beim WM-Qualifikationsturnier – und einem Sieg über Rekord-Olympiasieger Indien – für Aufsehen gesorgt. Bei der EM 2003 in Barcelona reichte es mit Platz sieben gerade eben für die Qualifikation zur Premiere des neuen EM-Formats, mit nur noch acht statt zwölf Mannschaften, in Leipzig.

In Leipzig glänzte die Mannschaft in der Europameisterschafts-Vorrunde gegen den späteren Europameister Spanien und gegen die Niederlande bei zwei knappen 1:2-Niederlagen und fegte Frankreich 4:1 vom Platz, um dann im entscheidenden Relegationsspiel durch ein 0:3 gegen England den Klassenerhalt in der A-Gruppe und damit auch das Ticket für das WM-Qualifikationsturnier zu verpassen. Alle Beobachter waren sich einig: Die Polen hatten da weit unter Wert abgeschnitten. In der Halle ist das Team vom Matuszynski inzwischen als Vize-Weltmeister und Vize-Europameister der härteste Rivale der deutschen Mannschaft geworden, der den bis dato ungeschlagenen Deutschen im Januar in der Vorrunde der EM in den Niederlanden die erste Niederlage der Verbandsgeschichte beibringen konnte.

 

Internationale Erfolge Polen 

Olympische Spiele

4. Platz           1980 in Moskau
6. Platz           1952 in Helsinki
11. Platz         1972 in München
12. Platz         1960 in Rom
12. Platz         2000 in Sydney 

Weltmeisterschaften

8. Platz           1982 in Bombay
8. Platz           1986 in London
9. Platz           1978 in Buenos Aires
10. Platz         1975 in Kuala Lumpur
12. Platz         1989 in Utrecht
15. Platz         2002 in Kuala Lumpur 

EM-Platzierungen

1970   7. Platz
1974   5. Platz
1978   5. Platz
1983   9. Platz
1987   5. Platz
2005   7. Platz

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